Subunternehmen gründen: Bedeutung, Voraussetzungen und Schritte

Rechtsformen & Gründung9 Min. Lesezeit
Subunternehmen gründen: ein violetter Baustein, der in die freie Lücke einer silbernen Konstruktion gleitet
Vivid Redaktion

Die Vivid-Redaktion schreibt über Gründung, Finanzen und Selbstständigkeit, mit praktischen Guides zu Geschäftskonten, Steuern und Förderungen für Gründer:innen und Selbstständige.

Ein Subunternehmen übernimmt einen Teil eines Auftrags, den ein anderes Unternehmen gewonnen hat, und erledigt ihn als eigenständiger Betrieb. Dieses andere Unternehmen heißt Hauptauftragnehmer oder Generalunternehmer. Ein Subunternehmen gründen geht ohne besondere Rechtsform: meist reichen Gewerbeanmeldung, Steuernummer, ein Geschäftskonto und die passende Versicherung.

Der Ratgeber richtet sich an Gründende, Freiberufler:innen und Handwerksbetriebe. Er erklärt Bedeutung, Ablauf und Beispiele, die Schritte zur Gründung mit Kosten sowie Steuern und Haftung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Einen Vertrag hat das Subunternehmen nur mit dem Hauptunternehmer, nicht mit den Endkunden.
  • Viele starten als Einzelunternehmen mit Gewerbeanmeldung oder als Freiberufler:in.
  • Für das eigene Werk haftet das Subunternehmen selbst.
  • Auf dem Bau gelten Reverse Charge und die Freistellungsbescheinigung zur Bauabzugsteuer.

Was ist ein Subunternehmen? Definition

Was ist ein Subunternehmen? Ein selbstständiger Betrieb, der im Auftrag eines anderen Unternehmens einen Teil von dessen Leistung erbringt. Eine gesetzliche Definition von Subunternehmen gibt es nicht. Typisch ist ein Dreieck:

Auftraggeber: bestellt die Gesamtleistung, etwa eine Bauherrin.
Hauptunternehmen: schließt den Vertrag und verantwortet das Ergebnis.
Subunternehmen: übernimmt einen Teil und rechnet nur mit dem Hauptunternehmen ab.

Was bedeutet Subunternehmen also im Alltag? Rechnung, Rückfragen und Mängel laufen über den Hauptunternehmer. In Ausschreibungen heißt das Subunternehmen oft Nachunternehmen.

Was ist ein Subunternehmer?

Was ist ein Subunternehmer im Unterschied zu einer angestellten Fachkraft? Er arbeitet auf eigene Rechnung und eigenes Risiko, mit eigenem Werkzeug und eigenen Rechnungen. Vorgegeben sind Ergebnis, Termin und Preis, den Weg dorthin bestimmt er selbst.

Was sind Subunternehmer also rechtlich? Selbstständige, keine Beschäftigten. Lohnfortzahlung und Kündigungsschutz gelten für sie nicht, dafür wählen sie Aufträge und Preise frei.

Subunternehmen Bedeutung: eine weiße, eine silberne und eine violette Spielfigur, nacheinander durch Glasstäbe verbunden
Auftraggeber, Hauptunternehmer, Subunternehmen: jeder Vertrag läuft über die Mitte.

Wie funktioniert ein Subunternehmen?

Die Funktionsweise ist eine Kette. Der Generalunternehmer gewinnt einen Auftrag, etwa den Innenausbau eines Büros, und gibt Teilaufgaben an Spezialisten weiter. Vor der Ausführung legt der Subunternehmervertrag fest:

Leistungsumfang und Qualität
Preis und Zahlungsziel
Termine und Abnahme
Haftung, Gewährleistung und Versicherung

Meist ist das ein Werkvertrag, geschuldet ist das fertige Werk. Seltener ist es ein Dienstvertrag. Gilt die VOB/B, braucht die Weitergabe an ein Nachunternehmen in der Regel die schriftliche Zustimmung des Auftraggebers (§ 4 Abs. 8 VOB/B).

Subunternehmer Dienstleistung: welche Leistungen sind typisch?

Welche Subunternehmer Dienstleistung gefragt ist, hängt von der Branche ab:

Baugewerbe und Handwerk: Elektrik, Sanitär, Trockenbau, Fliesen
Logistik: Kurierfahrten und Zustellung auf der letzten Meile
IT: Programmierung und Webdesign für Agenturen
Gebäudereinigung und Veranstaltungstechnik
Marketing: Texte, Fotos, Kampagnen
Pflege und Personennahverkehr: Fahrdienste im Auftrag größerer Träger

In allen Bereichen sind klar abgrenzbare Teilaufgaben gefragt, für die einem Betrieb Fähigkeiten oder Kapazität fehlen.

Subunternehmen Beispiele aus der Praxis

Jedes Subunternehmen-Beispiel hier ist erfunden, die Abläufe sind typisch.

Elektrikerin für ein Bauunternehmen: Lena hat ihren Meistertitel und einen eigenen Betrieb. Ein Generalunternehmer beauftragt sie mit der Elektrik für 12 Wohnungen. Ihre Rechnung weist keine Umsatzsteuer aus, die führt der Generalunternehmer im Reverse-Charge-Verfahren ab.

Kurier für ein Logistikunternehmen: Murat fährt mit eigenem Transporter für einen regionalen Zustelldienst, bezahlt pro Stopp. Zwei Onlinehändler buchen ihn zusätzlich, und diese Mischung hält seine Auftragslage stabil.

Entwickler für eine Agentur: Jonas programmiert für eine Digitalagentur die Schnittstellen eines Kundenprojekts. Den Pitch hat die Agentur gewonnen. Jonas rechnet seine Stunden monatlich ab.

Subunternehmen Beispiel: ein silberner Schraubenschlüssel, ein weißes Paket und ein violetter Laptop nebeneinander
Handwerk, Logistik, IT: hier arbeiten besonders viele Subunternehmen.

Selbstständig als Subunternehmer: Vorteile und Nachteile

Wer selbstständig als Subunternehmer arbeitet, bekommt Aufträge ohne eigenen Vertrieb an Endkund:innen und trägt zugleich die Verantwortung eines Unternehmers:

VorteileNachteile
freie Arbeitszeit und ArbeitsweiseAbhängigkeit von wenigen Hauptunternehmern
flexible Aufträgelange Zahlungsziele
niedrige StartkostenHaftung für das eigene Werk
mehrere Auftraggeber möglichkein Schutz wie im Arbeitsverhältnis
eigene PreisePrüfung auf Scheinselbstständigkeit

Zur letzten Zeile: Arbeitet jemand fast nur für einen Auftraggeber und nach dessen Weisungen, kann die Rentenversicherung das als Beschäftigung einstufen. Klarheit schafft vorab ein Statusfeststellungsverfahren nach § 7a SGB IV.

Kurz gesagt: Eigene Entscheidungen, mehrere Auftraggeber und ein schriftlicher Vertrag machen die Selbstständigkeit robust.

Subunternehmen gründen: Schritt für Schritt

So lässt sich ein Subunternehmen gründen, oft in wenigen Wochen:

1
Idee und Leistung festlegen

Welche Teilaufgabe, für welche Hauptunternehmer?

2
Qualifikation prüfen

Meistertitel, Erlaubnis oder Nachweis nötig?

3
Businessplan schreiben

Preise, Kosten und Rücklagen durchrechnen.

4
Gewerbe anmelden

Beim Gewerbeamt, freie Berufe beim Finanzamt.

5
Steuerlich anmelden

Fragebogen über ELSTER, dann kommt die Steuernummer.

6
Geschäftskonto eröffnen

Geschäft und Privat trennen.

7
Versicherung abschließen

Mindestens eine Betriebshaftpflicht.

8
Erste Auftraggeber gewinnen

Betriebe aus der Branche ansprechen, Ausschreibungen verfolgen.

Voraussetzungen: Qualifikation, Gewerbe und Versicherung

Ob eine Qualifikation nötig ist, hängt vom Gewerbe ab. Für die 53 zulassungspflichtigen Handwerke der Handwerksordnung, etwa Elektrotechnik oder Dachdeckerei, gilt die Meisterpflicht samt Eintragung in die Handwerksrolle. Bei zulassungsfreien Handwerken und den meisten Dienstleistungen reicht die Gewerbeanmeldung.

Gewerbetreibende werden Mitglied der IHK, Handwerksbetriebe der Handwerkskammer. Freie Berufe wie Übersetzungen melden sich nur beim Finanzamt, das über die Einordnung entscheidet. Dazu kommen eigenes Werkzeug und eine Betriebshaftpflicht, deren Nachweis viele Hauptunternehmer vor der Beauftragung sehen wollen.

Gewerbe anmelden, Finanzamt und Geschäftskonto

Das Gewerbe meldet man bei der Gemeinde an, oft online. Innerhalb eines Monats folgt der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER, mit geschätztem Umsatz und der Entscheidung zur Kleinunternehmerregelung. Danach kommt die Steuernummer für jede Rechnung.

Ein eigenes Konto hält Geschäft und Privat von Anfang an getrennt. Ein Geschäftskonto für Einzelunternehmen eröffnest du bei Vivid in wenigen Minuten online, Belege lädst du direkt zur Zahlung hoch, und per DATEV-Export gehen die Zahlen an die Steuerberatung. Auf der Baustelle bekommt im Geschäftskonto für Bauunternehmen jedes Projekt ein eigenes Konto mit eigener IBAN.

Was kostet die Gründung eines Subunternehmens?

Für Dienstleister ist der Start günstig, denn Büro, Lager oder Personal braucht es am Anfang meist nicht. Die typischen Kosten:

PostenTypische Kosten
Gewerbeanmeldungje nach Gemeinde 20 bis 60 €
HandwerksrolleGebühr der Kammer, nur im zulassungspflichtigen Handwerk
IHK-Beitragfrei bis 5.200 € Gewerbeertrag ohne Handelsregistereintrag
Betriebshaftpflichtoft einige hundert Euro im Jahr
Werkzeug und Softwarewenig in der IT, mehrere tausend Euro im Handwerk
Buchhaltungje nach Umfang, oft ein Buchhaltungstool

Notar und Mindestkapital fallen beim Einzelunternehmen nicht an, erst bei GmbH oder UG.

Steuern, Rechnung und Haftung als Subunternehmer

Mit dem ersten Auftrag stehen drei Fragen an: welche Steuern anfallen, was auf die Rechnung gehört und wer wofür einsteht. Für die meisten Subunternehmer gelten dieselben Regeln wie für andere Selbstständige. Auf dem Bau kommen zwei Sonderregeln dazu, und beide betreffen genau die Abrechnung mit dem Hauptunternehmer: wer die Umsatzsteuer abführt und ob ein Teil des Rechnungsbetrags beim Finanzamt landet.

Steuern und Rechnung

Auf den Gewinn fällt Einkommensteuer an, bei Gewerbebetrieben auch Gewerbesteuer, für Einzelunternehmen mit 24.500 € Freibetrag. Auf Rechnungen stehen 19 % Umsatzsteuer, außer bei Kleinunternehmern nach § 19 UStG mit höchstens 25.000 € Vorjahresumsatz und 100.000 € im laufenden Jahr.

Erbringt der Hauptunternehmer selbst nachhaltig Bauleistungen, schuldet er die Umsatzsteuer (§ 13b UStG), und die Rechnung trägt dann den Hinweis „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“. Mit einer Freistellungsbescheinigung des Finanzamts entfällt außerdem der Einbehalt von 15 % Bauabzugsteuer.

E-Rechnungen empfangen müssen alle Unternehmen seit 2025, ausstellen ab 2027 bei über 800.000 € Vorjahresumsatz, sonst ab 2028, Kleinunternehmer sind ausgenommen. Mit Rechnungen im XRechnung-Format direkt aus dem Vivid Konto lässt sich das schon heute abdecken.

Haftung und Versicherung

Für das eigene Werk haftet der Subunternehmer selbst und bessert Mängel nach. Die Gewährleistung läuft bei Bauwerken fünf Jahre, bei Arbeiten an anderen Sachen zwei Jahre (§ 634a BGB). Gegenüber dem Auftraggeber steht zuerst der Hauptunternehmer ein.

Der Hauptunternehmer haftet nach § 13 MiLoG dafür, dass die Beschäftigten seiner Nachunternehmer den Mindestlohn erhalten, seit 2026 sind das 13,90 € pro Stunde. Viele fragen daher nach Unbedenklichkeitsbescheinigungen.

Die wichtigste Police ist die Betriebshaftpflicht für Personen- und Sachschäden. Je nach Branche kommen Vermögensschadenhaftpflicht, Inhaltsversicherung und die Unfallversicherung der Berufsgenossenschaft dazu.

Kurz gesagt: Steuern zahlt ein Subunternehmen wie jeder Betrieb, auf dem Bau mit Reverse Charge. Schäden bei der Arbeit fängt die Betriebshaftpflicht ab.

Fazit

Was ist ein Subunternehmer also? Ein selbstständiger Betrieb, der für einen Hauptunternehmer einen abgegrenzten Teil eines Auftrags übernimmt und nur mit ihm abrechnet. Der Weg ist kurz: Qualifikation prüfen, Gewerbe und Steuernummer, Konto und Versicherung. Von Anfang an zählen mehrere Auftraggeber, ein schriftlicher Vertrag und auf dem Bau die Regeln zur Umsatzsteuer.

Ist das geklärt, bleibt der Kopf frei für die Arbeit selbst. Ein eigenes Geschäftskonto hält Einnahmen, Ausgaben und Steuerrücklagen dabei von Anfang an getrennt.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

  • Was ist der Unterschied zwischen Subunternehmer und Nachunternehmer?

    Inhaltlich keiner. Beide bezeichnen ein Unternehmen, das im Auftrag eines anderen einen Teil der Leistung erbringt. „Nachunternehmer“ ist der Fachbegriff in VOB und Ausschreibungen, „Subunternehmer“ der übliche Begriff in den meisten Branchen. In Bauverträgen taucht deshalb meist „Nachunternehmer“ auf, in Agentur- und IT-Verträgen eher „Subunternehmer“ oder „Freelancer“. Im Vertrag zählen die Regelungen zu Leistung, Vergütung, Terminen, Abnahme und Haftung, nicht die Bezeichnung.

  • Meist ja. Wer als Subunternehmen gewerblich arbeitet, etwa im Handwerk oder in der Logistik, meldet vor dem ersten Auftrag ein Gewerbe an. Freie Berufe nach § 18 EStG, zum Beispiel Übersetzungen oder Ingenieurleistungen, melden sich nur beim Finanzamt, das im Einzelfall über die Einordnung entscheidet. Im zulassungspflichtigen Handwerk kommt die Handwerksrolle dazu, für Tätigkeiten wie Bewachung oder Personenbeförderung eine eigene Erlaubnis.

  • Gegenüber dem Auftraggeber haftet der Hauptunternehmer, denn nur er hat einen Vertrag mit ihm. Mängel am Werk des Subunternehmers behebt er also zunächst selbst oder lässt sie beheben. Im Verhältnis zum Subunternehmen gilt dann der Subunternehmervertrag: Der Subunternehmer haftet für sein Werk und bessert nach oder erstattet Kosten. Umfang, Fristen und Versicherung regelt die Vereinbarung im Vertrag. Für Personen- und Sachschäden springt die Betriebshaftpflicht ein.

  • Nach § 14 UStG: Name und Anschrift beider Seiten, Steuernummer oder USt-IdNr., Datum, fortlaufende Nummer, Art und Umfang der Leistung, Leistungszeitpunkt, Nettobetrag, Steuersatz und Steuerbetrag. Bei Reverse Charge steht statt der Steuer der Hinweis auf die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers, bei Kleinunternehmern ein Hinweis auf § 19 UStG. Viele Hauptunternehmer fragen diese Daten schon bei der Bewerbung als Subunternehmen ab.

  • Ja, mit denselben Pflichten wie im Vollerwerb: Gewerbe oder Meldung beim Finanzamt, Fragebogen zur steuerlichen Erfassung und Einkommensteuererklärung. Bei kleinen Umsätzen kommt die Kleinunternehmerregelung in Frage. Viele Arbeitsverträge verlangen, die Nebentätigkeit anzuzeigen, untersagen darf der Arbeitgeber sie nur aus berechtigtem Grund, etwa bei Konkurrenz. Praktisch ist eine klare Trennung: eigene Rechnungen, ein eigenes Geschäftskonto und feste Zeiten für Aufträge.

Hinweis: Die Inhalte dieses Blogs dienen lediglich der allgemeinen Information und stellen keine Rechts-, Finanz-, Anlage- oder Steuerberatung dar. Sie sind keine Empfehlung oder Grundlage für finanzielle Entscheidungen. Bevor du auf Grundlage dieser Informationen handelst, hol dir bitte Rat von qualifizierten Fachleuten, die deine persönliche Situation berücksichtigen.

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