Ein zweites Standbein neben dem Job ist in Deutschland längst normal. Viele starten mit einem Onlineshop, mit Coaching oder einem kreativen Side Hustle. Ein Nebengewerbe bringt zusätzliches Einkommen, mehr Flexibilität und ein geringes Risiko. Du testest deine Idee, ohne deinen Hauptjob aufzugeben.
Am Anfang wirkt die Bürokratie oft größer als sie ist. Viele haben Angst, etwas falsch zu machen. In diesem Leitfaden erfährst du, wie du dein Nebengewerbe anmelden kannst, was es kostet und welche Steuern anfallen. Außerdem zeigen wir dir, warum ein eigenes Konto für deine Finanzen früh sinnvoll ist.
Das Wichtigste in Kürze:
- Ein Nebengewerbe meldest du beim Gewerbeamt an, bevor du startest. Die Gebühr liegt meist zwischen 20 € und 65 €.
- Entscheidend ist nicht die Stundenzahl, sondern ob deine Tätigkeit regelmäßig und mit Gewinnabsicht läuft.
- Die 20-Stunden-Regel pro Woche entscheidet darüber, ob du nebenberuflich bleibst.
- Gewerbesteuer zahlst du als Einzelunternehmer:in erst ab 24.500 € Gewinn im Jahr.
- Mit der Kleinunternehmerregelung sparst du dir die Umsatzsteuer, solange du unter den Grenzen bleibst.
Was ist ein Nebengewerbe? Definition und Abgrenzung
Was ist ein Nebengewerbe genau? Kurz gesagt ist es eine gewerbliche Tätigkeit, die du neben deinem Hauptberuf ausübst. Der Hauptberuf bleibt deine wichtigste Einkommensquelle. Das Nebengewerbe läuft zusätzlich und in kleinerem Umfang.
Definition Nebengewerbe
Rechtlich gibt es keinen eigenen Begriff „Nebengewerbe“. Gemeint ist ein normales Gewerbe, das du nebenberuflich betreibst. Manchmal liest du dafür auch Teilgewerbe oder Nebenselbstständigkeit. Nebenerwerb bedeutet einfach, dass du nur einen Teil deines Einkommens damit erzielst. Du arbeitest selbstständig, regelmäßig und willst damit Geld verdienen. Sobald diese Merkmale zutreffen, gilt deine Tätigkeit als gewerblich.
Als Faustregel gilt die 20-Stunden-Regel. Wer im Schnitt weniger als 20 Stunden pro Woche für das Gewerbe aufwendet und seinen Lebensunterhalt überwiegend aus dem Hauptjob bestreitet, bleibt nebenberuflich. Das ist wichtig für deine Kranken- und Sozialversicherung. So bleibst du in vielen Fällen über deinen Arbeitgeber abgesichert.
Unterschied zwischen Nebengewerbe und Hauptgewerbe
Ein Kleingewerbe neben dem Hauptberuf und ein Hauptgewerbe unterscheiden sich vor allem im Umfang. Beim Nebengewerbe bleibt der Job die Haupteinnahmequelle. Beim Hauptgewerbe lebst du von der Selbstständigkeit. Diese Grenze hat Folgen für Zeit, Versicherung und Steuern.
| Merkmal | Nebengewerbe | Hauptgewerbe |
|---|---|---|
| Arbeitszeit | in der Regel unter 20 Stunden pro Woche | Vollzeit, Schwerpunkt der Tätigkeit |
| Haupteinkommen | aus dem Anstellungsverhältnis | aus der Selbstständigkeit |
| Krankenversicherung | meist über den Arbeitgeber abgedeckt | eigene Absicherung nötig |
| Gewerbeanmeldung | erforderlich | erforderlich |
Die Einstufung kann sich ändern. Wächst dein Nebengewerbe stark, kann es zum Hauptgewerbe werden. Dann gelten andere Regeln bei der Sozialversicherung. Prüfe deshalb regelmäßig, in welche Richtung sich deine Tätigkeit entwickelt.
Voraussetzungen für die Anmeldung eines Nebengewerbes
Die Voraussetzungen für ein Nebengewerbe sind überschaubar. Die meisten Tätigkeiten kannst du ohne große Hürden anmelden. In einigen Branchen brauchst du aber zusätzliche Nachweise oder eine Erlaubnis.
Persönliche Voraussetzungen und Genehmigungen
Ein Nebengewerbe anmelden können volljährige Personen mit voller Geschäftsfähigkeit. Du brauchst also keinen besonderen Abschluss. Für Bürger:innen aus Nicht-EU-Ländern kann ein Aufenthaltstitel nötig sein, der eine selbstständige Tätigkeit erlaubt. Kläre das im Zweifel früh mit der zuständigen Behörde.
Manche Tätigkeiten sind erlaubnispflichtig. Dazu zählen zum Beispiel Gastronomie, Bewachungsgewerbe, Versicherungs- und Immobilienvermittlung oder Personenbeförderung. Für viele Handwerksberufe ist außerdem ein Eintrag in die Handwerksrolle nötig. Hier kann eine Meisterpflicht gelten, von der es aber Ausnahmen gibt. Prüfe vor dem Start, ob deine Branche eine Genehmigung verlangt.
Zustimmung des Arbeitgebers
Ein Nebengewerbe beim Arbeitgeber anmelden musst du nicht in jedem Fall. Eine offizielle Genehmigung ist meist nicht erforderlich. Pflicht ist die Zustimmung vor allem im öffentlichen Dienst oder wenn dein Arbeitsvertrag eine entsprechende Klausel enthält. In vielen Fällen reicht es, den Arbeitgeber zu informieren.
Trotzdem gibt es Grenzen. Dein Arbeitgeber kann eine Nebentätigkeit untersagen, wenn sie ihm direkte Konkurrenz macht oder deine Leistung im Hauptjob leidet. Auch das Arbeitszeitgesetz und Verschwiegenheitspflichten spielen eine Rolle. Ein offenes Gespräch schafft hier Klarheit und beugt Konflikten vor.
Nebengewerbe anmelden: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wie melde ich ein Nebengewerbe an? In der Praxis sind es nur wenige Schritte. So gehst du vor:
Du reichst die Gewerbeanzeige mit dem Formular GewA1 beim zuständigen Gewerbeamt ein, online oder vor Ort. Danach erhältst du den Gewerbeschein.
Das Finanzamt schickt dir den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung über ELSTER. Dort gibst du deine Umsätze an und wählst die Kleinunternehmerregelung.
Du wirst meist Mitglied in der IHK oder der Handwerkskammer. Prüfe zusätzlich, ob eine Berufsgenossenschaft zuständig ist.
Mit einem eigenen Konto trennst du private und geschäftliche Finanzen von Anfang an sauber.
Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt
Die Anmeldung des Nebengewerbes läuft über das Gewerbeamt an deinem Betriebssitz. Viele Städte bieten die Gewerbeanmeldung inzwischen online an. In kleineren Gemeinden ist ein Termin vor Ort üblich. Für die Anmeldung brauchst du deinen Personalausweis oder Reisepass, deine Meldeadresse und eine kurze Beschreibung der Tätigkeit. Bei erlaubnispflichtigen Berufen kommen die passenden Nachweise dazu.
Im Formular GewA1 trägst du unter anderem deine Daten und die Art der Tätigkeit ein. Ein häufiger Fehler ist eine zu enge Beschreibung. Formuliere lieber etwas breiter, damit du später nicht ummelden musst. Die Gebühr liegt je nach Kommune zwischen 20 € und 65 €. Den Gewerbeschein bekommst du vor Ort oft direkt, online dauert es ein paar Tage.
Anmeldung beim Finanzamt
Nach der Gewerbeanmeldung meldet das Gewerbeamt deine Tätigkeit automatisch an das Finanzamt. Kurze Zeit später bekommst du den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Du füllst ihn online über ELSTER aus und schickst ihn fristgerecht zurück. Wichtig sind die geplanten Umsätze und die Beschreibung deiner Tätigkeit.
Hier entscheidest du auch über die Kleinunternehmerregelung. Danach erhältst du deine Steuernummer für das Nebengewerbe. Die Steuernummer ist nicht dasselbe wie die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Die USt-IdNr. brauchst du erst, wenn du regelmäßig mit Geschäftspartner:innen im EU-Ausland abrechnest.
Geschäftskonto eröffnen
Private und geschäftliche Zahlungen gehören getrennt. Das schafft Ordnung und erleichtert die Buchhaltung. Bei einer Betriebsprüfung sparst du dir so viel Sucherei. Deinen Gewinn ermittelst du meist per Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR). Für die Rechnungsstellung und die Aufbewahrungspflicht gelten dabei feste Regeln. Auch deine Steuererklärung wird einfacher, weil alle Einnahmen und Ausgaben an einem Ort liegen.
Mit dem Geschäftskonto von Vivid startest du schnell und ohne Filialtermin. Du zahlst 0 €/Monat im Standard-Tarif. Über Unterkonten legst du Geld für Steuern automatisch zur Seite. Ausgaben siehst du in Echtzeit, und für internationale Aufträge nutzt du mehrere Währungen.
Bereit für dein Nebengewerbe?
Mit dem Vivid Geschäftskonto trennst du private und geschäftliche Finanzen von Anfang an, mit Unterkonten, Karten und Tools für deine Buchhaltung.

Kosten der Gewerbeanmeldung
Was kostet ein Nebengewerbe? Die Anmeldung selbst ist günstig. Es kommen aber laufende Kosten dazu, die du einplanen solltest.
Gebühren und laufende Kosten
Die Gebühr für die Gewerbeanmeldung hängt von der Kommune ab. In Berlin zahlst du rund 26 €, in München etwa 40 € und in Hamburg ungefähr 20 €. Nebengewerbe anmelden kostet dich also einmalig meist zwischen 20 € und 65 €. Was kostet es, ein Kleingewerbe anzumelden? Genauso viel, denn die Gebühr ist dieselbe. Danach folgen die laufenden, oft monatlichen Ausgaben. Diese fallen je nach Branche unterschiedlich aus.
| Posten | Ungefähre Kosten |
|---|---|
| Gewerbeanmeldung (einmalig) | 20–65 € |
| IHK- oder Handwerkskammer-Beitrag | 0–300 € pro Jahr |
| Buchhaltungssoftware | 0–30 € pro Monat |
| Steuerberatung (optional) | 50–200 € pro Monat |
| Geschäftskonto | ab 0 €/Monat im Standard-Tarif bei Vivid |
Viele Kammern erlassen kleinen Nebengewerben den Beitrag oder berechnen nur einen geringen Betrag. Eine Steuerberatung ist bei einfachen Fällen kein Muss. Mit einem klar geführten Konto und einer einfachen Software hältst du die laufenden Kosten niedrig.
Steuern im Nebenerwerb
Auch im Nebenerwerb zahlst du Steuern auf deinen Gewinn. Welche Steuern anfallen, hängt von deinem Einkommen und deiner Tätigkeit ab. Drei Steuerarten sind wichtig.
Welche Steuern fallen an?
Die erste ist die Einkommensteuer. Dein Gewinn aus dem Nebengewerbe kommt zu deinem Gehalt dazu. Bis zum Grundfreibetrag bleibt dein Einkommen steuerfrei. Beides zusammen versteuerst du nach dem normalen Steuertarif. Bei höheren Gewinnen kann das Finanzamt Vorauszahlungen auf die Steuern festsetzen. Die zweite ist die Gewerbesteuer. Für Einzelunternehmen gilt ein Freibetrag von 24.500 €. Erst über diesem Gewinn wird Gewerbesteuer fällig. Die meisten Nebengewerbe bleiben darunter. Die dritte ist die Umsatzsteuer. Sie entfällt, wenn du die Kleinunternehmerregelung nutzt.
Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG
Mit der Kleinunternehmerregelung musst du keine Umsatzsteuer auf deinen Rechnungen ausweisen. Die Grenzen liegen aktuell bei 25.000 € Umsatz im Vorjahr und 100.000 € im laufenden Jahr. Das senkt deinen Aufwand spürbar, weil die Umsatzsteuer-Voranmeldung entfällt.
Die Regelung hat aber einen Haken. Du kannst keine Vorsteuer aus deinen Einkäufen geltend machen. Wer viel investiert, fährt manchmal ohne die Regelung besser. Du wählst sie im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. An die Entscheidung bist du dann für mehrere Jahre gebunden.
Absetzbare Ausgaben und Betriebsausgaben
Alle Kosten, die durch dein Nebengewerbe entstehen, mindern deinen Gewinn. Diese Betriebsausgaben senken am Ende deine Steuerlast. Wichtig ist, dass du Belege sammelst und sauber dokumentierst. Typische Beispiele:
Nebengewerbe und Hauptberuf: Das musst du beachten
Ein Gewerbe neben dem Hauptberuf bringt ein paar Spielregeln mit. Wer sie kennt, vermeidet Ärger mit Arbeitgeber, Krankenkasse und Ämtern.
Zeitliche Grenzen und arbeitsrechtliche Aspekte
Die 20-Stunden-Regel ist der wichtigste Maßstab. Bleibst du im Schnitt darunter, giltst du weiter als nebenberuflich selbstständig. Überschreitest du sie dauerhaft, kann die Krankenkasse dich als hauptberuflich einstufen. Dann zahlst du eigene Beiträge.
Auch als Angestellte:r mit Vollzeitjob darfst du grundsätzlich ein Gewerbe anmelden. Das Arbeitszeitgesetz setzt aber Grenzen. Job und Nebengewerbe zusammen dürfen im Schnitt 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Dein Arbeitgeber darf das Nebengewerbe einschränken, wenn es ihn als Konkurrenz trifft. Informiere ihn deshalb rechtzeitig, gerade im öffentlichen Dienst. Arbeitest du nur für einen Auftraggeber, prüfe ein Statusfeststellungsverfahren. So vermeidest du den Verdacht der Scheinselbstständigkeit.
Auswirkungen auf Sozialleistungen
Beziehst du Sozialleistungen, zählt das Einkommen aus dem Nebengewerbe mit. Beim Arbeitslosengeld musst du den Nebenverdienst melden. Beim Bürgergeld gelten Freibeträge, darüber wird das Einkommen angerechnet. Auch BAföG und Elterngeld haben Einkommensgrenzen.
Die genauen Freibeträge ändern sich regelmäßig. Prüfe die aktuellen Werte deshalb bei der zuständigen Stelle. Melde Einnahmen immer rechtzeitig. So vermeidest du Rückforderungen.
Häufig gestellte Fragen zum Nebengewerbe
Ab wann muss man ein Nebengewerbe anmelden?
Du meldest dein Nebengewerbe an, bevor du startest. Schon der erste Kundenauftrag oder die erste Werbung gilt als Beginn der Tätigkeit. Entscheidend ist die Gewinnabsicht, nicht die Höhe der Einnahmen. Wer zu spät anmeldet, riskiert ein Bußgeld.
Kann ich ein Nebengewerbe online anmelden?
In vielen Städten ja. Größere Kommunen bieten die Gewerbeanmeldung komplett online an, oft mit elektronischem Ausweis. Kleinere Gemeinden verlangen manchmal einen Termin vor Ort. Prüfe die Website deines Gewerbeamts.
Wie viele Stunden darf ich maximal im Nebenerwerb arbeiten?
Als Richtwert gilt die 20-Stunden-Regel pro Woche. Sie ist keine starre Grenze, sondern ein Maßstab für die Sozialversicherung. Job und Gewerbe zusammen dürfen im Schnitt 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten.
Brauche ich für ein Nebengewerbe ein Geschäftskonto?
Eine Pflicht gibt es für Einzelunternehmen nicht. Trotzdem ist ein eigenes Konto sehr zu empfehlen. Es trennt private und geschäftliche Zahlungen und macht die Buchhaltung einfacher. Das Vivid Geschäftskonto startet bei 0 €/Monat im Standard-Tarif.
Muss ich die Kleinunternehmerregelung wählen?
Nein, sie ist freiwillig. Sie lohnt sich, wenn du wenig investierst und Aufwand sparen willst. Wer viel einkauft, profitiert eher vom Vorsteuerabzug ohne die Regelung. Du entscheidest im Fragebogen zur steuerlichen Erfassung.
Fazit: Nebengewerbe gründen leicht gemacht
Ein Nebengewerbe zu gründen ist mit etwas Vorbereitung gut zu schaffen. Die Anmeldung ist günstig und schnell erledigt. Die Vorteile überwiegen den Aufwand klar. Du baust zusätzliches Einkommen auf und entwickelst neue Fähigkeiten, bei geringem Risiko.
Wichtig ist die rechtzeitige Anmeldung. So vermeidest du Bußgelder und Stress mit dem Finanzamt. Trenne deine Finanzen von Beginn an. Dann hast du mehr Zeit für das, was zählt: dein Geschäft.
Nächste Schritte
Hinweis: Die Inhalte dieses Blogs dienen lediglich der allgemeinen Information und stellen keine Rechts-, Finanz-, Anlage- oder Steuerberatung dar. Sie sind keine Empfehlung oder Grundlage für finanzielle Entscheidungen. Bevor aufgrund der bereitgestellten Informationen Maßnahmen ergriffen werden, sollte immer der Rat von qualifizierten Fachleuten eingeholt werden, die die individuellen Umstände berücksichtigen können.