Vivid CFO Club Berlin – triff Finance-PeersDinner, Drinks und Finance-Peers in Berlin – sei am 1. Juli beim Vivid CFO Club dabei.Platz sichern

Vom Vanguard-Traum zur Infrastrukturwette: Wie Chris Puellen NaroIQ aufbaute

Wie NaroIQ Europas Fondsanbieter in die ETF-Welt führt.

17 Juni 2026
NaroIQ-Logo

Die Nutzererfahrung ist für uns immer die notwendige Bedingung gewesen. Die Komplexität ist die hinreichende — und die konnte außer Vivid niemand erfüllen.

Chris Puellen, Co-Founder & CEO, NaroIQ

Im November 2023 schloss NaroIQ eine Finanzierungsrunde über drei Millionen Euro ab. Wenige Monate zuvor war die Silicon Valley Bank kollabiert; das Thema Treasury Management stand bei vielen Frühphasen-Startups plötzlich auf der Tagesordnung. Die gesetzliche Einlagensicherung in Deutschland greift bis 100.000 Euro pro Bank. „Wenn man jetzt aber 3 Millionen Euro bei einer Bank liegen lässt und die geht morgen pleite, dann sind halt 2,9 Millionen Euro weg“, erinnert sich Chris Puellen, Co-Founder und CEO. Für ein Team, das seit Tag eins in regulierten Strukturen denkt, war klar: Mit dem Kapital wuchs die Verantwortung, es professionell zu führen.

NaroIQ operiert aus Köln und arbeitet in einer komplexen regulatorischen Struktur — die Muttergesellschaft NaroIQ GmbH ist als Finanzvermittler registriert; die beiden Tochtergesellschaften NaroIX GmbH (Benchmark-Administrator nach EU-Regulation 2016/1011) und NaroAM GmbH (Wertpapierinstitut nach WpIG) stehen unter Aufsicht der BaFin. Komplexität gehört zum Geschäftsmodell. Was nicht zum Geschäftsmodell gehören soll, ist ein Team, das jeden Monat manuell Geld zwischen Dutzenden Konten verschiebt, um unter Einlagensicherungsgrenzen zu bleiben.

Das fehlende Zehntel

Was NaroIQ baut, lässt sich in einem Satz beschreiben. „NaroIQ ist ein Technologieunternehmen, was es Fondsanbietern hilft, in den ETF-Markt einzusteigen“, erklärt Chris. Wer ETFs kauft, kauft börsengehandelte, sekündlich bepreiste Fondsanteile statt der einmal täglich bepreisten Publikumsfonds, die jahrzehntelang den europäischen Sparmarkt prägten. Für große Asset Manager, die heute Milliardenvolumen in klassischen Fonds verwalten, ist die Migration in die ETF-Welt eine technologische Aufgabe: Schnittstellen zu Börsen, Echtzeit-Marktüberwachung, regulatorische Berichtspflichten in einer anderen Taktung.

Der bisherige Marktstandard zwingt diese Anbieter, ihre gesamte Wertschöpfungskette — Vorbuchhaltung, Risikomanagement, ESG-Reporting, regulatorische Einreichung, Verwahrstelle, Portfolio-Management — an einen externen ETF-Dienstleister abzugeben. Chris formuliert die Gegenthese präzise:

Es gibt ganz, ganz viele Anbieter, die von diesem Fondspuzzle schon 90 Prozent zusammen haben. Aber diese 10 Prozent fehlen ihnen. Bisher gibt es halt nur Anbieter, die sagen: gut, dann musst du von uns das komplette Puzzle kaufen. Also warum können sie nicht nur die 10 Prozent einkaufen, die ihnen fehlen?

Chris Puellen, Co-Founder & CEO, NaroIQ

Wer mit NaroIQ arbeitet, behält die ersten neun Puzzleteile im eigenen Haus — und kauft sich nur das zehnte ein. Heute onboardet das Unternehmen Kunde sieben und acht.

Warum ETFs die Zukunft sind

Marktbeobachter, die das Wachstum von ETFs gegenüber klassischen Fonds verfolgen, kennen die Kurven. Chris erklärt sie mit einem Bild, das weniger nach Finanzwirtschaft klingt und mehr nach Mediengewohnheiten. „Man möchte auf Netflix sofort den Film schauen, anstatt sonntagsabends den Tatort. Man möchte sofort den Song auf Spotify hören und nicht mehr auf die CD warten. Man möchte sofort seinen Flug buchen, anstatt ins Reisebüro zu gehen.“

Was für die Plattformökonomie längst Standard ist, erreicht nun die Welt der Kapitalmarktprodukte. „Fonds bekommen eben nur einmal am Tag einen Preis. ETFs bekommen aber in jeder Sekunde einen Preis und sind damit einfach deutlich attraktiver, haben eine deutlich bessere Nutzererfahrung und gewinnen immer mehr an Wachstum und Potenzial.“

NaroIQ hilft den Anbietern, die heute noch im einmal-täglich-Modus arbeiten, in den Sekundentakt zu kommen.

Eine andere Wette

Die heutige Strategie war nicht die erste. Chris und sein Mitgründer kennen sich seit zehn Jahren. Was sie zusammen tun wollten, hat sich über Jahre weiterentwickelt — was sie antrieb, blieb gleich: „Insgesamt in der Finanzindustrie für geringere Gebühren mehr Innovation zu sorgen.“

Die Ursprungsvision war direkter. „Die Ursprungsvision von NaroIQ war damals, ein europäisches Vanguard zu bauen.“ Inspiriert vom genossenschaftlichen Modell des amerikanischen Vorbilds, das Kosten an Endkundinnen und Endkunden zurückgibt, sahen die Gründer in der europäischen Lücke ein lohnendes Ziel. Im Verlauf der frühen Aufbauphase reifte eine andere Überzeugung: Wer den Markt schneller verändern will, hilft den bereits etablierten Anbietern, ihn selbst zu bewegen. „Also warum sollten wir es selbst bauen, wenn wir einfach den Marken, die es schon gibt, dabei helfen können, diese Transition zu machen?“

Aus dem Endkundentraum wurde die Infrastrukturwette: dieselben Asset Manager, die heute Publikumsfonds verwalten, mit der Technologie auszustatten, mit der sie morgen ETFs ausgeben können.

Damit haben wir wahrscheinlich keine absolut perfekte Welt, aber zumindest eine relativ bessere Welt kreiert.

Chris Puellen, Co-Founder & CEO, NaroIQ

Drei Runden, sieben Kunden

„Die frühen Tage von NaroIQ waren sehr chaotisch“, erinnert sich Chris — eine Phase, durch die fast jedes Startup geht. Aus der Vision wurde eine Unternehmensstruktur mit drei Gesellschaften. Drei Finanzierungsrunden haben NaroIQ vom ersten Konzept zum heute regulierten Kölner Unternehmen geführt: rund 500.000 Euro im Pre-Seed, drei Millionen Euro im November 2023, anderthalb Jahre später weitere 6,5 Millionen — in Summe rund zehn Millionen Euro Eigenkapital. Investoren, die an die These der europäischen ETF-Infrastruktur glauben, haben den Aufbau in jeder Phase mitgetragen.

Aus zwei Gründern wurde ein Team. Aus einer Idee wurden zwei BaFin-regulierte Tochtergesellschaften. Im Onboarding stehen heute Kunde sieben und acht — Marktposition, die die zehnjährige gemeinsame Idee in konkrete Geschäftsbeziehungen übersetzt.

Was diesen Weg möglich macht, beschreibt Chris in nüchternen Worten: „Die Skills, die man sich aneignen muss, sind ein hohes Energielevel, Diszipliniertheit — im Englischen würde man sagen: grit and a lot of passion. Das sind die entscheidenden Faktoren. Ich glaube nicht, dass man sehr gut in etwas sein kann, für das man nichts fühlt.“ Aus diesem Antrieb ist eine Plattform entstanden, die nicht aus der Distanz auf den Markt schaut, sondern Teil seiner Transformation wird.

€120.000 mehr Runway

Mit der Series A im November 2023 wuchs auch die Treasury-Verantwortung. „Wir haben damals nach einer Lösung gesucht, wo man 3 Millionen Euro investieren kann.“ Die Optionen waren grob zwei. Variante eins: das Geld auf rund 30 Banken verteilen, um unter der Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Bank zu bleiben — operativ ein erheblicher Mehraufwand aus Onboardings, Bilanzposten und manuellen Überweisungen vor jeder Gehaltszahlung. Variante zwei: ein einziger Finanzpartner, der dem Anspruch eines regulierten Unternehmens mit Tochtergesellschaften gerecht wird — und gleichzeitig die digitale Nutzererfahrung liefert, die NaroIQ als Tech-Firma erwartet.

„Damit war für uns klar: es gibt zwei Optionen. Entweder ich teile mein Geld auf 30 Banken auf, oder ich gebe mein Geld zu Vivid und investiere es dort. Und das war eine sehr einfache Entscheidung.“

Heute nutzt NaroIQ aus dem Angebot von Vivid vor allem die Modellportfolios und das Zinskonto. Beide bilden im Hintergrund Geldmarktfonds ab, die unter anderem in deutsche und französische Anleihen investieren. „Der rechtliche Begriff dafür ist ein Fonds sogenanntes Sondervermögen“, erklärt Chris. Die Konstruktion ist gesetzlich vom Vermögen des emittierenden Anbieters getrennt — eine bei institutionellen Anlegern bekannte Eigenschaft der Fondsstruktur.

Die Mathematik des Cash Managements ist banal und bedeutend zugleich. Chris fasst die Wirkung in einer Zahl zusammen: „Drei Millionen Euro, die wir in einer Runde eingesammelt haben und die wir dann zu drei bis vier Prozent anlegen konnten — das sind 120.000 Euro im Jahr. Das ist viel Geld. Das ist ein Monat, zwei Monate länger, die man Zeit hat, sein Produkt zu bauen, wenn man kluges Cash Management macht.“ Anderthalb Jahre nach der ersten Runde sammelte NaroIQ weitere 6,5 Millionen ein. Dieselbe Logik, größerer Hebel. „Viele Gründer unterschätzen immer noch, wie wichtig Cash Management ist, weil gutes Cash Management echt richtig Zeit bringt.“

Eine gute Finance-Funktion ist die, die dich nicht beschäftigt.

Kendrick, VP Risk, NaroIQ

Hinzu kommt, was Chris den eigentlichen Schmerz nennt: nicht das Geld, sondern den Mindspace. „Man muss eine Company bauen, man muss ein Produkt bauen, man muss ein Produkt verkaufen — und dann muss man am 25. April doch noch irgendwie darüber denken, Geld rüberzuschieben. Nicht, weil man kein Geld hat, sondern einfach nur, weil auf dem einen Konto nicht so viel liegen soll, auf dem anderen Konto auch nicht so viel.“

Für ein wachsendes reguliertes Unternehmen, das gleichzeitig regulatorische Anforderungen erfüllen und Tech-Tempo halten will, ist das die operative Definition davon, was eine moderne Finanzplattform leisten soll: mehrere Konten in einer Struktur, ein US-Dollar-Konto für Auslandsrechnungen, Investmentprodukte für die Liquidität, die heute noch nicht ausgegeben wird — und alles in einem Onboarding, das die Compliance- und Finance-Funktion nicht stundenlang bindet.

Was als Nächstes kommt

Heute baut NaroIQ Schnittstellen für die Anbieter, die in zehn Jahren ETFs ausgeben werden, die es heute noch nicht gibt — „Sachen, von denen ich vor drei Jahren geträumt hätte.“

Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.

Ein Geschäftskonto, das mit deinem Unternehmen wächst

Europas beste Unternehmen arbeiten mit Vivid

Erfahre, wie Vivid zu Wachstum und Erfolg beiträgt