Wie zwei Hamburger Nachbarn ein Self-Service-Golfstudio gebaut haben — und einen leisen Einwand gegen den deutschen Golfsport

Ein vollautomatischer Indoor-Golfsimulator im Hamburger Erdgeschoss, ohne Personal, mit Code-Zugang — von den beiden Gründern fast vollständig in Eigenregie gebaut.

Lazy Golf

In unserem geschäftlichen Umfeld möchte ich nicht, dass unser Finanzpartner hinterherhängt. Sie muss auf der gleichen Pace sein — und das ist Vivid auf jeden Fall.

— Tim Zimmermann, Mitgründer, Lazy Golf

Tim Zimmermann und Louis Wulff haben sich im Treppenhaus kennengelernt. Louis wohnte im Haus, Tim trug eine Golfcap und war zu Besuch. Louis hatte gerade selbst mit dem Sport angefangen. Eine Range-Session folgte, dann längere Gespräche, dann eine Frage: Warum ist eigentlich jeder Golfsimulator in Hamburg entweder Teil eines exklusiven Clubs oder in die Upselling-Logik einer Eventlocation eingebettet? Drei Jahre später lautet die Antwort Lazy Golf — eine einzelne Erdgeschosseinheit in Hamburg, vorher ein Nagelstudio, heute ein Indoor-Golfsimulator ohne Empfang und ohne Personal. Eine Mitgliedschaft gibt es zwar, aber nicht im klassischen deutschen Sinne: Mitglieder bekommen 50 Prozent Rabatt auf jede Buchung — wer nicht Mitglied ist, kann trotzdem jederzeit spielen. Kunden buchen online, erhalten zwei Codes — einen für die Tür, einen für das System —, betreten die Box und spielen.

Ein Geschäftsmodell aus Subtraktion

Lazy Golf ist, in Tim Zimmermanns Worten, ein Self-Service-Golfsimulator. Kunden kommen aus zwei Gründen: um ihren Golfschwung mit den Daten zu optimieren, die der Simulator bei jedem Schlag erfasst, und um wetterunabhängig in einer Indoor-Anlage virtuelle Runden auf realen Golfplätzen zu spielen. Die gesamte Erfahrung ist um das gebaut, was nicht da ist. Kein Empfang. Kein Personal. Niemand, der etwas verkaufen will.

„Ein Self-Service-Golfsimulator ermöglicht es dir, Golf zu spielen, ohne jegliche Interaktion mit weiteren Menschen zu haben“, sagt Zimmermann. Die Ökonomie der Subtraktion ist eindeutig, und er macht kein Geheimnis daraus: Wer auf Personal verzichtet, kann mehr in Hardwarequalität und Innenausstattung investieren. Das Ergebnis zeigt sich in den Zahlen — über 29 Prozent der Kunden kommen wieder, viele davon in nahezu wöchentlicher Frequenz.

Die Hardware kommt aus der Rüstungsindustrie

In der Simulatorbox erfassen Infrarotsensoren und eine Hochgeschwindigkeitskamera den Ball nach dem Abschlag. Die Technologie nennt sich Tracer, und Zimmermann erwähnt ihre Herkunft ohne Pathos: Ursprünglich wurde sie in der Rüstungsindustrie entwickelt, um die Drehung und Geschwindigkeit von Projektilen zu messen, und später auf den Golfsport übertragen. Dieselbe Technik berechnet heute Spin, Abflugwinkel, Treffpunkt auf der Schlagfläche, Schwungbahn, Weite, Höhe und Roll — und projiziert das Ergebnis auf die Leinwand, gegen die der Spieler gerade geschlagen hat. Die Berechnung übernimmt die Software TrackMan; der leistungsstarke Simulator-PC, der das Ganze rendert, wurde von den Gründern selbst zusammengebaut.

Für Zimmermann sind die Daten das eigentliche Produkt. „Wir haben schon vielen Leuten dabei geholfen, auf dem Platz besser zu spielen“, sagt er, „und das wird nur dadurch ermöglicht, dass der Golfschwung bei uns in Zahlen übersetzt wird.“

Von den Gründern gebaut, in drei Monaten

Auf die Frage, wer den Aufbau übernommen hat, antwortet Zimmermann: niemand. Er und Wulff haben alles selbst gemacht — mit YouTube-Videos und einem einzigen Handwerker, der ihnen bei der Wand geholfen hat. Die Fläche war zuvor ein Nagelstudio. Sie haben entkernt, die Simulatorbox gebaut, einen neuen Boden verlegt, den Tracer montiert, das Türöffnungssystem mit dem Buchungsportal verkoppelt und die Website auf Webflow mit Custom-Code für Animationen und den Buchungsfluss programmiert. Zweieinhalb Monate, höchstens drei.

Die Aufgabenteilung zwischen den beiden Gründern ist klar. Zimmermann verantwortet die technische und operative Seite — Simulatorhardware, Automatisierung, Backend. Wulff kümmert sich um Positionierung, Kundenerlebnis und die Frage, wie sich das Konzept über die einzelne Hamburger Einheit hinaus skalieren lässt.

Ein leiser Einwand gegen den deutschen Golfsport

Beide Gründer landen beim selben Wort, wenn sie über die deutsche Golfszene sprechen: steif. Wulff ist in England aufgewachsen, wo öffentliche Golfanlagen verbreitet sind und auch Jugendliche ohne Platzreife und ohne Vereinszugehörigkeit spielen können. Zimmermann hat 2013 und 2014 die Highschool in den USA besucht und beschreibt Golf dort als Gesellschaftssport — nicht als Statussymbol.

Lazy Golf ist auch ein leiser Einwand gegen die deutsche Variante. Kein Aufnahmeausschuss. Kein Dresscode. Keine Pflichtmitgliedschaft. Die optionale Mitgliedschaft ist, im Stil des Unternehmens, eine abgespeckte Version der Idee: 50 Prozent Rabatt auf jede Buchung — und das war’s. Wer einfach nur spielen will, bucht und spielt.

Bei Lazy Golf ist mir wichtig, dass wir die Steifheit aus dem Sport rausbekommen. In England kann auch ein junger Mensch ohne Platzreife und ohne weitere Zertifikate, die die Deutschen so lieben, Golf spielen. So bekommt man eine größere und qualitativ stärkere Spielerbasis.

— Louis Wulff, Mitgründer, Lazy Golf

Die Kundenbasis hat die beiden überrascht. Sie hatten ein jüngeres, datenaffines Publikum erwartet. Tatsächlich kommt ein Querschnitt — inklusive Stammgäste jenseits der 60, die in Gruppen buchen und einen ganzen Nachmittag bleiben. Ein australischer Kunde, von Anfang an dabei, hat sein Handicap von 35 auf 6 heruntergespielt — eine Verbesserung, die Zimmermann unmittelbar auf das datenbasierte Feedback zurückführt, das der Simulator nach jedem Schlag liefert. (Für die Nicht-Golfer: Ein 35er-Handicap markiert einen Anfänger; ein Sechser-Handicap bewegt sich in der Nähe des semiprofessionellen Niveaus.)

Ein Finanzpartner, der Schritt hält

Lazy Golf wickelt seine Finanzen über Vivid ab. Tim Zimmermann hat die Plattform online entdeckt, sich die Alternativen angeschaut und sich aus zwei Gründen entschieden. Der erste war Geschwindigkeit. Er hat die Dokumente übermittelt, einen Tag später hatte er Zugriff auf das Konto und konnte mit dem Geschäft starten. In Deutschland, einem Land, das er als "oft geprägt von langen bürokratischen Prozessen" beschreibt, ist diese Schnelligkeit ausschlaggebend gewesen. Der zweite Grund war konzeptioneller Natur: eine Online-Finanzplattform, die — wie Lazy Golf selbst — schlank und ohne großen Personalapparat arbeitet.

Im Alltag ist die App die Oberfläche, mit der Zimmermann am häufigsten arbeitet. Sofort-Benachrichtigungen bei Zahlungseingängen. Unterkonten zur Strukturierung des Cashflows. Eine kompakte Übersicht der wichtigsten Kennzahlen für einen Unternehmer, der gleichzeitig sein eigenes Operations-Team ist. Die Buchhaltung läuft über LexOffice, das per Schnittstelle an Vivid angebunden ist — eine Integration, die laut Zimmermann reibungslos funktioniert. Bei einem Geschäft mit hunderten monatlichen Buchungen vom Payment Provider ist das ein Detail, das sich summiert.

Vivid hat nicht nur alle unsere Voraussetzungen erfüllt, sondern hat auch ein ähnliches Konzept wie wir. Es ist ja eine Online-Finanzplattform und nicht so mitarbeiterlastig, wie wir das auch sind.

— Tim Zimmermann, Mitgründer, Lazy Golf

Einen Optimierungsvorschlag hat er: Die Cashflow-Analyse in Vivid würde, so seine Einschätzung, von einer feiner einstellbaren Zeitraumauswahl profitieren — ein konkreter Produktwunsch eines Operators, der täglich auf sein eigenes Dashboard schaut.

Was als Nächstes kommt

Lazy Golf will Self-Service bleiben und kostenoptimiert bleiben, aber nicht an einem Standort. In den nächsten Wochen sollen weitere Hamburger Standorte folgen, mittelfristig stehen die EU und Großbritannien auf der Karte. Die These ist klar: Simulatorbasiertes, datengetriebenes Golf ist im Profibereich längst Standard und braucht endlich eine ernsthafte Amateurinfrastruktur. Lazy Golf wettet darauf, dass die entbündelte Variante — ohne traditionelle Mitgliedschaftshürden, ohne Personalkosten — die Variante ist, die skaliert.

Die Hamburger Einheit ist an einem späten Wochentagabend menschenleer und trotzdem aktiv. Ein Code wird eingegeben, eine Tür klickt auf, ein Schwung passiert. Die Daten landen auf einem separaten Bildschirm. Der Ball auf der Leinwand fliegt über ein Fairway, das tausende Kilometer entfernt liegt. Niemand schaut zu. Genau das ist der Punkt.

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